Rudern im Gezeitenstrom
Eigentlich ist es das Revier der ganz großen Pötte, der Schlepper und Barkassen. Doch wir wollen uns mit zwei Ruderinnen und drei Ruderern der Ruder-Gesellschaft Lauenburg in einem relativ winzigen Ruderboot aufs Wasser wagen, und uns mit dem Gezeitenstrom von der Elbe tragen lassen. Dabei hoffen wir auf die Unterstützung von höchster Stelle: von Petrus, vom Mond und vom Hafenmeister. Um es vorweg zu sagen, die Mächte waren uns wohl gesonnen, das Wetter war ideal, der Gezeitenstrom angenehm ruderbar und der Schiffsverkehr mäßig und rücksichtsvoll. Wir wollen ein kleines Stück des großen deutschen Stromes berudern.


Schiffsbegegnung auf der Unterelbe


Container Terminal Alterwerden

Die Elbe fließt zwischen Dêĉîn und Pirna nach Sachsen hinein, um bei km 585 in Geesthacht zum letzten Mal gestaut zu werden. Für die verbleibenden 100 km bis zur Mündung bestimmt dann der Puls der mächtigen Ozeane im Rhythmus der Tide die Schifffahrt auf diesem Gewässer. Wir haben uns das Stück am Hamburger Elbufer direkt vor dem Hamburger Hafentor ausgesucht, wo gigantische Containerschiffe über den Elbgrund schrammen, vorbei an Hamenfischern, denen Ebbe und Flut die Netze füllen, bis zum Süßwasserwatt, dem einzigartigen Ökosystem in Europa, das kostbar und bedroht ist wie der tropische Regenwald.

Somit ist der erste Blick für unsere Planung der Blick auf den Gezeitenkalender. Die Messstation St. Pauli gibt uns das Orientierungsmaß und wir errechnen einen Zeitpunkt, an dem zur Mittagszeit die Strömungsrichtung bei Schulau wechselt. Der zweite Weg führt ins Bootshaus. Ein A- oder D-Boot müsste es schon sein, denn wir erwarten heftigen Wellengang.

Der Ruderclub Süderelbe von 1896 e.V. gibt unserem Bootshänger Unterkunft und unserer Mannschaft eine komfortable Einsiegs-möglichkeit ins Boot. Kein Luxus, denn mehrere Meter Tidenhub machen diese Voraussetzung zu einer Notwendigkeit. Uns steht eine aufwendige Steganlage zur Verfügung, und wir kommen sicher auf die Süderelbe.  


Schlepperliegeplatz im Hamburger Hafen

Der Zeitpunkt ist gut gewählt, denn die Strömung treibt uns schnell die Elbe abwärts. Wir kommen gut voran und sind optimistisch den Wendepunkt bei der Schiffsbegrüßungsanlage nach 27 km pünktlich zu erreichen.

Nach kurzer Zeit taucht der Container Terminal Altenwerder mit seinen riesigen Kränen auf. Der derzeit weltweit modernste Container Terminal hat ein Fassungsvermögen von 30.000 Twenty Feet Equivalent Unit (TEU) und an der 1400 m langen Kaimauer des CTA können gleichzeitig bis zu vier Großcontainerschiffe ihre Ladung löschen. In unserem Ruderboot kommen wir uns neben diesen Riesen doch recht klein vor.

Der Tidenstandsmesser der Köhlbrandbrücke zeigt uns 53,5m an, also genügend Wasser unterm Kiel für ausreichend Strömung bis Schulau. Nach der Unterquerung der harfenförmigen Schrägseilbrücke, die seit dem 23. September 1974 das Hamburger Hafengebiet zwischen der Norder- und Süderelbe mit der Bundesautobahn verbindet, liegt auch schon die Einfahrt in die Elbe vor uns. Die Überquerung, des hier zum engeren Hafengebiet gehörenden Stroms, gelingt zu dieser Tageszeit problemlos.

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Das Ufer an der Unterelbe (Ovelgönne und Blankenese)

Vor dem Liegeplatz der mächtigen Schlepperamarda rudern wir weiter, entlang an den Ufern Ovelgönnes und Blankenese, dem Flugzeugbau von Airbus bis zur Schiffsbegrüßungsanlage Schulau. Einen Platz im Hafen von Schulau verwehrt uns der Wasserstand. Der Hafen ist leer gelaufen, denn es ist Ebbe. Die Schiffe liegen auf dem Hafengrund. Wir rudern ein Stück weiter und tragen dann unser Boot durch den Schlick auf den Strand. Nach einer kleinen Pause in der Strandbar spült uns die auflaufende Elbe dann wieder nach Hamburg zurück. 

Eva und Jürgen Ziemann